Abenteuer Frankreich

 

Auf der Special Chartreux-Ausstellung in Paris-Puteaux im Mai 2007 des Club du Chat des Chartreux hatten wir eine sehr engagierte langjährige Chartreux-Züchterin kennengelernt. Schon damals waren wir beeindruckt von den Katzen und Katern aus ihrer Zucht, die auf dieser Show präsentiert wurden.

Und insgeheim regte sich in uns der Wunsch, irgendwann auch eine dieser charaktervollen, eleganten und vergleichsweise hochbeinigen "Westküsten-Chartreux" besitzen zu können. Diese Katzen erinnerten uns an die wohl schönste aller Chartreux, die berühmte "Mignonne de Guerveur".

Ein Jahr und viele Telefonate und Briefe später ist es dann endlich soweit: Die französische Züchterin bietet uns an, ein wunderschönes Kitten aus ihrer Zucht aussuchen zu dürfen!

Wir müssen nicht lange überlegen; Regina und ich schaffen es kurzfristig, uns an einem Wochenende von unseren beruflichen Verpflichtungen freizumachen und wagen das "Abenteuer Frankreich". Wir ahnen, was auf uns zukommt; schon die einfache Strecke an die Atlantikküste beträgt von uns in Oberbayern über 1300 km. Eigentlich verrückt, dieser Aufwand - so weit zu fahren für eine graue Katze! Nur wer selbst vom "Chartreux-Fieber" befallen ist, kann das nachvollziehen.

So machen wir uns auf den Weg bzw. auf die Autobahn gen Westen. Nach zwei Tagesetappen, mit Übernachtung im Elsass und unzähligen Mautstationen, haben wir es an das Ende des europäischen Kontinents geschafft. Gleich beim Aussteigen am Strand schlägt uns die nach Algen und Meersalz schmeckende Atlantikluft entgegen und wir trauen unseren Augen kaum: Eine wilde graue Katze läuft da ganz selbstverständlich am Strand umher, zwar schon etwas zerzaust (sie hatte wohl schon einige Sommer hier überlebt), aber Körperbau, Fellstruktur und Profil wie eine Rassechartreux! Es gibt sie also wirklich, die "Chartreux-Naturels", wie die Franzosen sie nennen und wie wir in manchen rassehistorischen Abhandlungen lesen konnten.

Wenig später, bei der Züchterin angekommen, werden wir freundlich begrüßt, sogar ein wunderschönes geräumiges Appartement in unmittelbarer Nähe hatte sie für uns reserviert. Natürlich wollen wir zuallererst all ihre Katzen sehen; geduldig wiederholt die Züchterin die Namen ihrer Zuchtkatzen, die wir uns kaum merken können. Sofort habe ich mich in ein besonders elegantes Kitten verliebt, welches aber bereits reserviert war. Die Entscheidung zwischen den 12-15 Wochen alten Kitten ist schwer; schließlich siegt die Vernunft und wir entscheiden uns für das weibliche Kitten aus der Verpaarung, welche am besten zu unserem heimischen Kater passt.

Im Hinterkopf haben wir aber immer noch das elegante Kitten und seine interessante Abstammung, keine einzige deutsche Katze im Stammbaum! Aber erstmal richtig ankommen und akklimatisieren. Nach ausgiebigem Stammbaum-Wälzen und Gesprächen über die Chartreux-Geschichte und frühere Ausstellungen geht unser erster Abend in der Bretagne zu Ende.

Während des Frühstücks, zu dem uns die Züchterin am folgenden Morgen einlädt, springt ein besonders dunkler, schlanker Kater zu mir auf den Platz. Wie elegant er wirkt mit seinen hohen Beinen, dem langen, spitz zulaufenden Schwanz. Und diese dunklen Augen und großen Ohren! Was für ein Unterschied zu unseren mitteleuropäischen Chartreux! Es ist der Bruder der zuerst gesehenen Katze aus der seltenen Verpaarung. Kurz kommt der Gedanke auf ... aber nein! Wir haben bereits einen eigenen imposanten ausgewachsenen Kater zu Hause, dem wir auch die Treue halten wollen. Und zwei Kater gleichzeitig zu halten? Daran ist schon so mancher Züchter verzweifelt bzw. gescheitert ...

Nach dem Frühstück fährt uns unsere Gastgeberin zu den "Alignements de Carnac", den örtlichen Touristenattraktionen, Reihen von Menhiren; für uns alpengewohnte Oberbayern mutet diese Region seltsam an, fast wie die Landschaft eines fernen Kontinents oder Planeten. Beeindruckend sind auch die Lichtverhältnisse in der Bretagne; bis nach 23:00 Uhr nachts ist es, bedingt durch die Zeitzone, noch ungewöhnlich hell.

Nach einem weiteren Tag, der mit Tierarztbesuch und den unvermeidlichen Formalitäten, Chippen, Kaufvertrag etc. bald vorüber ist, kommt der Tag unserer Heimreise.

Fast wehmütig verlassen wir diesen so gastfreundlichen kleinen Ort am "Ende der Welt" und machen uns auf Richtung Osten. Im geräumigen Transportkennel, der die gesamte Rückbank unseres Wagens ausfüllt, sitzen ein wunderschönes Kätzchen mit kräftiger Augenfarbe und hoch platzierten Ohren und (Sie ahnen es ...?) das dunkle Katerchen!

Wir sind sehr beeindruckt von der stets höflichen und rücksichtsvollen Mentalität der Franzosen, die wir hier kennen lernen durften. Und wir wundern uns über uns selbst, dass wir nicht schon viel früher die Reise zu einer französischen Zucht gewagt hatten.

Die beiden kleinen Franzosen haben sich sofort bei uns wie zu Hause gefühlt und sogar bereits am ersten Tag im Bett ihrer neuen Menschen geschlafen. Sie sind sehr menschenbezogen und schnurren um die Wette. Sprachprobleme gab es nicht und beide haben sich nach der Quarantäne schnell in unsere bayerische Chartreux-Gruppe integriert.

Nun genießen wir die Zeit der Kinderstube mit unseren Neuen und vielleicht schenken sie uns im nächsten Jahr auch so bezaubernden Nachwuchs.